Messer im Wald | www.sacki-survival.de

Messer im Wald - Was ist erlaubt?
von Kai Sackmann (Sacki)

ACHTUNG:
Dieser Beitrag ist weder als juristische Beratung, noch als eine Aufforderung zu den aufgeführten Handlungen gedacht. Ich gebe hier lediglich das Wissen aus meinen Recherchen und meine persönliche Meinung wieder!

Findest Du die deutsche Gesetzeslage zum Thema Messer auch sehr kompliziert. Hier erkläre ich Dir den Stand der Dinge einmal ganz einfach. Es gibt verbotene Messer und Messer deren Besitz erlaubt ist.



Verbotene Messer nach dem deutschen Waffengesetzt sind:

  • Fallmesser
  • Butterflymesser
  • Faustmesser (Ausnahme man besitzt eine jagdrechtliche Erlaubnis!)
  • Springmesser, wenn deren Klinge nach vorne heraus springt, wenn deren Klinge über 8,5 cm lang ist oder wenn deren Klinge beidseitig angeschliffen ist
  • Messer die andere Gegenstände vortäuschen, wie versteckte Klingen in Kugelschreibern, Spazierstöcken, Kämmen, Gürtelschnallen usw.
  • Sog. Hieb- und Stoßwaffen. Das sind alle Gegenstände, die dazu hergestellt wurden, um Menschen Verletzungen zufügen zu können. Hierunter fallen auch Dolche und Kampfmesser! (Sonderregelung: Ab 18 Jahren erlaubt!)
Du siehst also, es ist gar nicht bei so vielen Messer verboten, sie zu besitzen. Es gibt jedoch noch eine weitere Unterscheidung, bei den Messern die man besitzen darf. Messer die man mit sich führen darf und Messer die man nicht mit sich führen darf. Dies regelt seit April 2008 das sogenannte Trageverbot nach § 42 a Waffengesetz.



Unter das Trageverbot (Führen in der Öffentlichkeit) fallen:

  • Einhandmesser (Messer deren Klinge man einhändig öffnen und feststellen kann)
  • Feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm
  • Hieb- und Stoßwaffen, wie oben beschrieben (Das Trageverbot gilt auch für Volljährige!)

Alle anderen Messer, darf man besitzen
und auch in der Öffentlichkeit führen, wenn sie nicht bei den Verbotenen aufgeführt wurden! Erlaubt sind somit alle normalen, feststehenden Messer (keine Dolche + Kampfmesser!) mit einer Klingenlänge bis zu 12 cm und Klappmesser, die nur mit zwei Händen geöffnet werden können. Hier muss man sich gar keine Gedanken machen und kann sein Outdoor-Hobby damit ausüben.

Natürlich sollte man auch mit ihnen nicht zu
öffentlichen Veranstaltungen gehen. Auf Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Ausstellungen, Märkten usw. hat ein Messer also nichts zu suchen. Und auch bei vielen geschlossenen Veranstaltungen untersagt der Veranstalter das Mitführen von Messern.
Was jedoch, wenn man draussen nun aber eines der Messer verwenden möchte, die unter das Trageverbot nach § 42 a Waffengesetz fallen - zum Beispiel Messer mit einer Klingenlänge von mehr als 12 cm oder Einhandmesser?

Wie bereits beschrieben, darf man diese Messer zwar besitzen, jedoch nicht in der
Öffentlichkeit führen. Und das bedeutet, dass man sie nicht ausserhalb der eigenen Wohnung oder ausserhalb des eigenen Grundstücks offen und zugriffsbereit tragen darf.





Gesetzeskonformer Messer-Transport:


Möchte man solch ein Messer aber aus irgendeinem Grund von Ort A nach Ort B transportieren, muss man das Messer zwingend in einem verschlossenen Behältnis transportieren (siehe § 42a Abs. 2 Nr. 2 WaffG). Das wäre ein jedes Behältnis, welches mit einem einfachen Schloss geschützt wurde, damit man nicht direkt auf das Messer zugreifen kann. Der Transport in einer Tasche mit Klettverschluss, einem Rucksack mit geschlossenem Reißverschluss oder einem zugebundenen Säckchen reicht dagegen nicht aus. Hierbei würde es sich nur um ein geschlossenes Behältnis handeln, denn es ist nicht gegen unbefugten Gebrauch gesichert. Jedermann könnte ohne Hilfsmittel auf das Messer zugreifen, wenn er nur die Verschluss-Vorrichtung öffnet. Ein verschlossenes Behältnis ist dagegen gegen unbefugtes Öffnen gesichert. Ein abschließbares Handschuhfach, eine Rucksack-Seitentasche, bei welcher der Doppelreißverschluss mit einem kleinen Schloss gesichert wurde usw. Besondere gesetzliche Anforderungen an das Behältnis oder das Schloss gibt es übrigens nicht. Es ist also egal, ob es sich um ein sehr kleines, einfaches Schloss handelt oder um ein spezielles Sicherheitsschloss.

Es gibt zwar ein Gerichtsurteil des AG Kiel von 2009, welches aussagt, dass es ausreichend ist, wenn ein Behältnis fest verschnürt ist oder wenn ein Rucksack lediglich komplett geschlossen wurde, jedoch gibt es auch konkurrierende Gerichtsurteile, welche ein Schloss als unbedingt erforderlich ansehen. Und auch ein Polizeibeamter vor Ort kann nach seinem Ermessen entscheiden, ob er den vorhandenen Schutz als ausreichend ansieht oder eher nicht. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte grundsätzlich davon ausgehen, dass ein nur geschlossenes Behältnis nicht ausreicht und unter einem verschlossenen Behältnis (gem. § 42a WaffG) eine Tasche o.ä. zu verstehen ist, welche mit einem zusätzlichen Schloss gesichert wurde.





Berechtigtes Interesse:

Nun wollen viele Outdoor-Freunde ihr großes Haumesser oder ihr Multitool mit zusätzlicher Einhandklinge aber nicht nur transportieren, sondern bei ihren Touren natürlich auch verwenden. Und das ist sogar erlaubt, wenn ein sogenanntes
berechtigtes Interesse dafür besteht. Ein solches liegt vor:

  • im Zusammenhang mit der Berufsausübung
  • im Zusammenhang mit der Brauchtumspflege
  • im Zusammenhang mit dem Sport
  • im Zusammenhang mit einem allgemein anerkannten Zweck

Nur was ein allgemein anerkannter Zweck ist, das ist im Waffengesetz nicht genau formuliert und führt daher häufig zu großer Unsicherheit. Diesen Punkt hat man jedoch nicht eingefügt um zu verunsichern, sondern um möglichst viele „
normale Verwendungen" so überhaupt zu ermöglichen. Es ist also etwas Positives, das dies nicht ganz genau im Gesetzestext definiert ist. Der allgemein anerkannte Zweck schafft uns häufig erst die Möglichkeit, ein Messer, welches unter das Trageverbot fällt, verwenden zu können.

Wichtig ist hier ein
sozial adäquater Gebrauch. Also Aktivitäten bei denen der Allgemeinheit bewußt ist, man für sie üblicherweise ein Messer oder spezielles Werkzeug verwendet. Und daher ist ein sozial adäquater Gebrauch natürlich auch beim Campen, Pfadfindern, Angeln, Jagen und ähnlichen Aktivitäten gegeben. Aber Achtung: Auf dem Weg bis zu einer Tätigkeit, bei der Du Dein Haumesser einsetzen möchtest, gehört es in ein verschlossenes Behältnis. Die Machete hat nichts an Deinem Gürtel zu suchen, wenn Du mit der Bahn oder dem Auto in Richtung Deines Wanderzieles fährst. Und auch auf der Wanderung könnte sie anderen Wanderern eher unangenehm auffallen. Transportiere sie im Rucksack und hole sie heraus, wenn Du sie benötigst.

Als Begründung, wird sich für normale Einhandmesser wohl nur schwer ein allgemein anerkannter Zweck in der Natur finden lassen. Hier wäre zum Beispiel der Einsatz als Sicherheits- und Selbstrettungsmesser beim Klettersport denkbar. Für Multitools mit zusätzlicher Einhandklinge sieht das jedoch schon ganz anders aus, denn sie sind definitiv mehr Werkzeug als Messer und auf Outdoor-Touren für sehr viele Dinge nützlich.

Ein Messer, welches unter das Trageverbot nach § 42a Waffengesetz fällt, im Auto mit sich zu führen, um im Fall der Fälle einen Sicherheitsgurt durchschneiden zu können, zählt übrigens
nicht als sozial adäquater Gebrauch, denn das Durchschneiden von Sicherheitsgurten ist eben keine typische Tätigkeit beim Autofahren. Und auch das Mitführen eines Messers als Angriffs- oder Verteidigungsmittel, zählt nicht als sozial adäquater Gebrauch!

Multitools:

Gerade bei Multitools mit Einhandklingen wird immer wieder hitzig diskutiert, ob es sich hier um ein Einhandmesser oder um ein Werkzeug handelt. Die Antwort darauf ist jedoch ganz einfach. Besitzt das Multitool eine Klinge, die einhändig zu öffnen ist und im Anschuss auch arretiert werden kann, dann handelt es sich zweifelsfrei um ein Einhandmesser und nicht um ein Werkzeug. Und dementsprechend gilt auch hier: Man darf es besitzen, in der Öffentlichkeit jedoch nicht zugriffsbereit tragen, es sei denn man hat ein berechtigtes Interesse. Diese Ausnahme gilt jedoch nur für das berechtigte Interesse selbst. Auf dem Weg von und zu diesem berechtigten Interesse gilt die Ausnahme nicht. Für Handwerker bedeutet das zum Beispiel, dass sie ihr Multitool auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Weg nach Hause vom Gürtel abnehmen und es in einem verschlossenen Behältnis transportieren müssen. Und da der Begriff des Einhandmessers recht weit auszulegen ist, gilt Gleiches übrigens auch für Teppichmesser und ähnliche Klingen, die einhändig bedient und arretiert werden können.

Im Internet kursierte eine ganze Zeit lang ein Schreiben vom BKA (in der Art eines BKA-Feststellungsbescheides), in dem zu lesen war, dass die beschriebenen Multitools nicht als Einhandmesser angesehen würden. Bei diesem Schreiben handelte es sich jedoch um eine Fälschung, denn das BKA bestätigte später, dass es niemals ein solches Schreiben veröffentlicht hatte. Fakt ist, solange es keinen offiziellen
BKA-Feststellungsbescheid zu einem solchen Multitool gibt, in dem klar festgestellt wird, dass es sich beim Multitool nicht um ein Einhandmesser handelt, gelten diese Multitools ganz eindeutig als Einhandmesser.

Nicht unter das Führverbot fallen übrigens alle Multitools, die zuerst aufgeklappt werden müssen, bevor man Zugriff auf die integrierte Messerklinge erhält und natürlich auch solche Multitools, deren Klinge nur beidhändig zu öffnen ist oder deren Klinge nicht arretierbar ist.

Wer aus irgendwelchen Gründen absolut nicht auf ein Multitool verzichten kann (ohne berechtigtes Interesse), der könnte die Einhandklinge seines Multitools abbauen oder abtrennen und stattdessen ein normales feststehendes Messer (unter 12 cm Klingenlänge) oder ein beidhändig zu öffnendes Taschenmesser neben seinem Multitool am Gürtel tragen. Absurderweise ist das ja wiederum erlaubt.
BKA-Feststellungsbescheide:

Gemäß § 40 unseres Waffengesetzes ist das Bundeskriminalamt für die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen für verbotene Waffen und Gegenstände zuständig. Einen entsprechenden Antrag kann jedermann stellen, in der Hauptsache wird sowas aber eher von Firmen gemacht, denn ein Feststellungsbescheid über ein Messer kostet ca. 400 - 500 Euro. Ausserdem muss man mit einer Wartezeit von mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr rechnen. Danach wurde dann aber einwandfrei festgestellt, ob es sich bei einem Messer zum Beispiel um ein verbotenes Messer handelt oder nicht.

Während bei den meisten Messern ja, aufgrund der Gesetzeslage, ganz klar ist, um was es sich handelt (Bsp.: Einhandmesser), gibt es auf dem Markt aber auch zahlreiche Klingen, bei denen nicht immer so ganz klar ist, ob sie unter ein bestehendes Verbot fallen oder nicht. Auf der Homepage des BKA kann man im Bereich Feststellungsbescheide Nachschau halten, ob es bereits einen solchen für das Messer gibt, welches man besitzt oder sich zulegen möchte:

https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/Waffen/Feststellungsbescheide/feststellungsbescheide_node.html

Aber Vorsicht: Bitte immer nur die Feststellungsbescheide von der hier verlinkten Originalseite des BKA verwenden, denn im Internet kursieren auch Fälschungen solcher Schreiben!

Beim Studium der Dateien dann auch bitte immer ganz genau ihren Inhalt studieren. Nur weil es einen Feststellungsbescheid über ein Messer gibt, heißt das nicht automatisch, dass dieses Messer auch erlaubt ist. In einem solchen Feststellungsbescheid kann ebenso auch ein Verbot festgestellt worden sein. Und ein Feststellungsbescheid könnte aktuell auch gerade nicht rechtskräftig sein, da ein Widerspruchsverfahren gegen ihn läuft.

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Meine persönliche Meinung zum Thema:

Häufig liest und hört man von Unverständnis gegenüber den eingangs genannten gesetzlichen Regelungen. Hier wird immer wieder angeführt, dass es doch nicht sinnvoll sein kann, zum Beispiel ein Butterfly-Messer zu verbieten, während ein feststehendes Messer (unter 12 cm Länge) jedoch erlaubt ist. Schließlich kann ein Täter sein Opfer doch auch mit diesem verletzen.

Das ist natürlich richtig. Schließlich könnte man auch jemanden mit einem simplen Brotmesser aus der Küche verletzen. Deswegen kann man jetzt aber natürlich nicht jedes Brotmesser verbieten. Sinn des Gesetzes war es aber die typischen Messer zu verbieten, die aufgrund ihres Aufbaus oder ihrer Funktion gerne und häufig für Straftaten verwendet wurden. Wenn jemand eine Tat plant, bei der er ein Messer einsetzen will, dann kann dies auch nicht durch die bestehende Gesetzeslage verhindert werden. Das dürfte jedem von uns wohl klar sein. Durch die hier genannten gesetzlichen Regelungen, konnten jedoch die Arten von Rohheitsdelikten deutlich reduziert werden, bei denen jeder schlichte Geist „zufällig“ ein Mode-Messer in der Tasche trug.

Wer
ausserhalb der Öffentlichkeit ein Messer führt, welches zwar unter das Trageverbot fällt, damit jedoch niemanden bedroht oder belästigt, wird vom § 42a Waffengesetz auch nicht eingeschränkt werden. Das Gesetz will vernünftige Bürger nicht einschränken, sondern die Möglichkeit bieten unvernünftigen Bürgen diese Gegenstände abnehmen zu können. Da das Waffengesetz in diesem Bereich aber recht offen gehalten ist, kann man auch nicht ausschließen, dass ein kontrollierender Polizeibeamter hier eine andere Auslegung vorbringt und ein solches Messer erstmal einzieht.

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Hier kannst Du Dir die Informationen zum Thema noch einmal in Sackis Videos anschauen.

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